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Fahrrad im ICE

ICE-Modell mit Fahrradsymbol
Fahrrad-Mitnahme im ICE.

Fahrradmitnahme im ICE? Ja, geht! Allerdings nicht in allen ICEs, sondern nur in der Baureihe ICE 4. Die gute Nachricht: Laut Bahn sollen bis 2023 stattliche 100 ICE-4-Garnituren auf der Schiene sein. Die Radkolumne hat die Edelvariante von Rad & Bahn mal ausprobiert: Rad & ICE.

Welche Räder sind im ICE erlaubt?

Doch bevor es los geht: Welcher Fahrrad-Typ (nicht der im Sattel) darf im ICE überhaupt mitgenommen werden? Laut Auskunft der Bahn zunächst mal ein „handelsübliches Fahrrad“, das in die Fahrradständer der Bahn passt. Die sind für eine Reifenbreite von 40 bis 60 Millimeter ausgelegt. Rennräder sind zwar schmaler, aber auch nicht verboten. Eine Lösung für sehr schmale Reifen findet ihr weiter unten in diesem Beitrag, wenn es um das Einstellen ins Fahrradabteil geht.

E-Bikes und Spezialräder

Pedelecs, also Räder mit einer elektrischen Unterstützung von 25 km/h, sind auch erlaubt, S-Pedelecs (über 25 km/h) aber nicht. Ein Fatbike ist dann erlaubt, wenn die Reifen in den Ständer passen. Luft rauslassen ist dabei aber gestattet. Kleiner Tipp: Die Luftpumpe nicht vergessen, wenn ihr nach der Fahrt nicht schieben wollt. 😉
Spezialräder wie Tandems, Liegeräder oder Trikes können nur unter bestimmten Bedingungen mitgenommen werden. Hierzu verweist die Bahn auf Informationen in den Reisezentren. Vom Transport generell ausgeschlossen sind Lastenräder. Was auch nicht gestattet ist, und zwar aus Sicherheitsgründen: die Mitnahme eines Ersatzakkus für ein Pedelec.

Fahrradanhänger

Für Fahrradanhänger gilt: Kinder-Fahrradanhänger dürfen nur zusammengeklappt transportiert werden! Also bitte die Kinder vorher rausnehmen. 😉 Der Aufbewahrungsort für den zusammengeklappten Fahrradanhänger ist dann der Mehrzweckbereich eines ICE-Wagens oder das Gepäckregal. Lastenanhänger sind erlaubt, wenn sie zusammengeklappt sind. Verboten ist zum Beispiel, einen Bierkasten im Anhänger abzustellen. Beides gehört in den Mehrzweckbereich oder das Gepäckregal.
Okay, die Frage nach dem Fahrradtyp wäre geklärt. Dann geht es an die Buchung von Ticket und Fahrradkarte sowie die Reservierung eines Stellplatzes für des Fahrrad. Spontan könnt ihr ein Rad nämlich nicht in den ICE mitnehmen.

ICE suchen & buchen

Die Mitnahme von Fahrrädern ist nicht auf allen Strecken möglich, und auch nicht in allen Zügen. Wie findet ihr am schnellsten einen geeigneten Zug finden? Das funktioniert über die Reiseauskunft via bahn.de oder die Navigator-App, und zwar über den Menüpunkt Weitere Optionen. Unten bei Fahrradmitnahme findet ihr eine leere Checkbox vor Nur Verbindungen zur Fahrradmitahme anzeigen (gegebenenfalls Fahrradkarte kaufen). In diese Checkbox setzt ihr einen Haken, bevor ihr eure Zugverbindung sucht. Damit werden nur die geeigneten Züge angezeigt. Während der Buchung erfahrt ihr ann auch, ob noch Fahrrad-Stellplätze frei sind. Und natürlich könnt ihr den Buchungsprozess rechtzeitig abbrechen, falls alle Stellplätze schon belegt sind. Tipp: Beim Navigator geht der Buchungsprozess ja relativ schnell, hier also nicht blind durchklicken.

Buchungsformular mit Checkbox für Fahrradmitname

Buchung in einem Schritt

Am besten ist die Buchung in einem Schritt, also Fahrkarte inklusive Fahrradkarte inklusive Stellplatz-Reservierung. Beides geht bei bahn.de oder im Navigator, aber natürlich auch am Schalter. Wenn ihr erst für euch selbst bucht, und nachträglich für das Fahrrad, ist das mit Extrakosten verbunden. Bei der Buchung in einem Schritt ist die Stellplatzreservierung dagegen kostenlos.
Kostenlos geht also nicht. Ein Fahrrad im ICE braucht eine Fahrradkarte und eine Stellplatzreservierung. Aber keine Regel ohne Ausnahmen!

Bis 16 Zoll Raddurchmesser: kostenlos

Ein Tipp für Klapprad-Freaks: Bis zu einem 16-Zoll-Rad ist die Mitnahme kostenlos! Kostet nix! Ein Rad zählt dann ganz amtlich als Handgepäck und wird nicht in einem Ständer des Fahrradabteils untergebracht, sondern in der Gepäckablage. Aber, um Himmels Willen, verstaut das Klapprad nicht über den Köpfen der Mitreisenden, sondern verrutschungssicher im Mehrzweckbereich eines Wagens oder in der unteren Etage eines Gepäckregals. Ein kleiner Tipp: Verpacken und Spanngurte mitnehmen.
Nochmal klipp und klar: In der Bahn müsst ihr nicht wie in vielen Verkehrsverbünden ein Faltrad haben, um kein Extraticket zu bezahlen. Ein Klapprad tut es auch, es kommt auf die Reifengröße an.

BahnCard 100 – Fahrrad kostenlos

Gute Nachricht für Inhaber der BahnCard 100! Die Vielfahrerinnen und Vielfahrer dürfen ihr Velo kostenfrei mitnehmen. Allerdings müssen sie sich vorher eine (ebenfalls kostenlose) Stellplatzreservierung besorgen. Diese gibt es für BahnCard-100-Inhaber in den DB Reisezentren den DB Agenturen, oder über die fast kostenlose Servicenummer 0180 6 99 66 33 ( 20 ct/Anruf aus dem Festnetz, beim Handy max. 60 ct/Anruf).

Buchung im Reisezentrum

Bis zu 10 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt kann die Fahrradkarte samt Stellplatz auch im DB Reisezentrum (am Einstiegsbahnhof) gebucht werden. Was seit dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2020 nicht mehr möglich ist: der Kauf im Zug. Fahrradkarten und die Stellplatzresrevierung können nicht mehr beim Zugpersonal erworben werden. Ein Tipp zum Buchungszeitpunkt noch: Die Buchung kurz vor Fahrtantritt ist angesichts der jämmerlichen Anzahl von 8 Fahrrad-Stellplätze im ICE nicht empfehlenswert, besser ist die frühzeitige Buchung, möglich ist das bis zu 6 Monaten vor der Fahrt.

Was kosten die Fahrradkarten im Fernverkehr?

Was kostet der Spaß? Die Preise für eine Fahrradkarte im Fernverkehr innerhalb Deutschlands (Stand Januar 2021):

  • Fahrradkarte inkl. Stellplatzreservierung: 5,40 Euro mit BahnCard
  • Fahrradkarte inkl. Stellplatzreservierung: 8,00 Euro ohne BahnCard
  • Stellplatzreservierung ohen Fahrradkarte: 4,00 Euro
  • Stellplatzreservierung mit Fahrradkarte: kostenlos

Okay, Tickets für euch habt ihr, und eine Fahrradkarte samt Fahrradstellplatz im ICE? Dann kann die Reise losgehen. Auf zum Bahnsteig!

Fahrradwagen finden

Erfreulicherweise wird bei den meisten Bahnsteig-Anzeigetafeln auch das Fahrradsymbol eingeblendet. Im Bild oben ist das der Bahnsteig-Abschnitt E. Falls nicht: Ihr müsst zum einen oder anderen Ende des Zuges! Informiert euch am Wagenstandsanzeiger, damit ihr nicht am falschen Ende wartet!
Positioniert euch rechtzeitig dort, wo der Fahrradwagen dann hält! Stellt aber auch die Lauscher für Durchsagen auf. Manchmal ändert sich die Wagenreihenfolge ja kurzfristig.
Der Einstieg ist dann an der Wagentür mit dem Fahrrad-Piktogramm.

Der Einstieg

Keine gute Idee ist es, beim Ein- und Ausladen schweres Gepäck am Rad zu haben, denn dabei geratet ihr leicht ins Schlingern. Weniger holprig ist das schrittweise Verladen von Rad und Gepäck. Aber vorsicht, lasst keine Laptoptasche mal kurz am Bahnsteig! Wenn ihr Gruppen reist: Achtet gegenseitig auf eure Wertsachen. Wer alleine reist: Die ranzige Tasche zieht weniger Diebe an als der edle Samsonite-Koffer.

Fahrrad und 1. KLasse

Wer mit der 1. Klasse fährt, hat seinen Liebling nicht in der Nähe, denn die Fahrradabteile sind alle in den Wägen der 2. Klasse untergebracht. Man muss also zwischen gebuchtem Sitzplatz und reserviertem Fahrrad-Stellplatz ein bisschen laufen. Tipp: Beim Aussteigen und Ausladen Zeit einplanen und rechtzeitig im Zug zum Fahrrad bewegen.

Okay, der Fahrradwagen ist gefunden … dann geht es zu den Fahrrad-Stellplätzen.

Das Fahrrad muss in den Stellplatz

Die Anzahl der Fahrradplätze im ICE 4 beträgt, kein Druckfehler, ganze 8! Ich hoffe jetzt einfach, dass die Zahl im Laufe der nächsten Jahre wenigstens auf 16 aufgestockt wird, also 8 auf jeder Seite des Zugs, oder auf 32 bei Doppeltraktionen. Aber im Moment sind es halt nur traurige acht.
Die Stellplätze sind teils zum hinstellen, teils zum aufhängen. Gedacht sind sie für eine Reifenbreite von 40 bis 60 Millimeter. Ein Rennrad würde ich deshalb lieber aufhängen als hinstellen.

Direkt an jedem Fahrradständer ist einen Nummer, und dann nochmal oben an den Displays. Was erstmal verwirrt: Die Displays haben zwei Nummern. Des Rätsels Lösung: Für die 8 Plätze sind 4 Doppeldisplays vorhanden. Ihr müsst also erstmal oben am Display die Ständernummer checken und dann unten bei der richtigen Nummer einschieben.

Fahrt genießen

Das Rad ist gut untergebracht und die Reise los. Endlich entspannen, aus dem Fenster schauen und die Lanschaft vorbeiziehen sehen. Das geht, denn der ICE 4 ist im Vergleich zu seinen Vorgängern, der ICE 3 fährt bis 330 km/h, eher gemächlich unterwegs. Bei 250 km/h ist Schluss.
Ein Tipp für Radlerinnen und Radler mit teureren Modellen. Wenn ihr euch ohne Sorgen um euer bestes Stück im Speisewagen erfreuen möchtet: Nehmt ein Schloss mit und kettet vorher das Rad an.

Die Kontrolle

Am Rad selbst muss nix befestigt werden, kein Kärtchen oder Bändchen oder so. Euro Fahrradkarte wird aus Papier oder in digitaler Form wird während der Fahrt am Sitzplatz kontrolliert. Tipp der Radkolumne: Am besten steigt ihr gleich im Mamil-Look ein, dann wissen die Kontrolleure bescheid.
Okay, ihr seid am Ziel eurer ICE-Strecke angekommen… das muss aber nicht das Ende der Reise sein. Weiter geht es dann im Nahverkehr.

Fahrrad im ICE-T & älteren ICEs

Auch in manchen ICE-T-Zügen (Neigetechnik-ICEs) , z.B. in Verbindungen nach Wien, kann ein Fahrrad mitgenommen werden. Außerdem werden einige ältere ICE-Garnituren für die Radmitnahme nachgerüstet. Achtung: Die Fahrradplätze sind in einigen ICEs in der Mitte des Zugs zu finden.
Infomationen zur Fahrradmitnahme nach Wien finden Sie auf den Seiten der ÖBB.

Fahrrad im Intercity mitnehmen

Wo es keine ICEs mit Fahrradabteil gibt, lohnt sich das Studium des Fahrplans. Im Intercity (IC) ist die Fahrradmitnahme nämlich grundsätzlich möglich. Tipp für die Verbindung Stuttgart-Singen-Konstanz: Hier ist die Fahrradmitnahme alle 2 Stunden gratis und ohne Reservierung möglich (im IC). Danke für diesen Tipp an die Studis4Future.

Fahrrad im anschließenden Nahverkehr

Die ICE-Fahrradkarte gilt auch für die Züge des Nahverkehrs, also Regionalexpress (RE), Regionalbahn (RB), und die S-Bahnen, und zwar für die Anreise zum Bahnhof und die Weiterreise bis zum Ziel. Ihr braucht also nicht noch extra ein Nahverkehrs-Ticket für das Fahrrad. Ratsam kann es aber sein, wenn ihr euch vorab ein paar Infos holt, besonders wenn ihr schweres Gepäck dabei habt.

Ein Fahrrad plus Gepäck über Treppen? Das macht nicht viel Spaß. In den ICE-Bahnhöfen steht ja meistens ein Aufzug zur Verfügung, aber in der Provinz sieht das schon anders aus. Hier hilft der Menüpunkt Bahnhofsinformationen auf bahn.de oder im Navigator, sowie diese App: DB Bahnhof Live. In der Bahnhofsapp steht alles zu Barrierefreiheit, Aufzügen und Fahrradstellplätzen, für 5.400 Bahnhöfe und alle ÖPNV-Haltestellen in Deutschland.

Fazit: Es geht also ein bisschen voran mit der Rad- und Bahn-Kombi, denn bis zum ICE 3 waren Fahrräder vom Flaggschiffe der Bahn ausgesperrt. Eine Bitte noch, damit der Ruf der Radler nicht leidet: Im Bahnhof bitte das Rad schieben! Ich hab schon von Leuten gehört, die im Bahnhof radeln und sogar auf dem Bahnsteig.

Das wars, eine gute Reise (nach der Corona-Quarantäne ) wünscht die Radkolumne.

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2 Gedanken zu „Fahrrad im ICE

  1. Danke für diese informative Zusammenfassung. (Kann es sein, dass es am Schluss des Abschnitts zur Buchung einen logischen Fehler gibt?)

    Zur Schlussbemerkung: Ich bin, ganz ohne Schuldbewusstsen, auch schon auf dem Bahnsteig geradelt, weil die Durchsage zur „geänderten Wagenreihung“ erst kam, als der Zug einfuhr. Ein ICE ist 400 m lang, das hätte ich zu Fuß nie in den 2 min Haltezeit geschafft.

    1. Hallo,
      ich hab im Abschnitt zur Buchung aus dem „Stellplatz im ICE“ einen „Fahrradstellplatz“ gemacht… war das gemeint? Falls nicht, stehe ich gerade auf dem Schlauch…

      Das Problem mit der geänderten Wagenreihung ist wirklich ärgerlich… nicht die Reihung an sich, aber warum kommt die Meldung erst kurz vor der Einfahrt?
      Und wieso wird das so spät angezeigt bzw. durchgesagt? Bekannt ist das ja wohl schon früher.
      Die Lösung wäre: Ein Fahrradwagen an der Spitze, einer am Ende des Zuges. Dann kann es zwar vorkommen, dass die Reservierung nicht mehr stimmt, aber das ist das kleinere Übel.

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