Fußgänger-Typologie

Fußgängerampel
Fußgänger-Typen. Gemäßigte und militante.

Wer sind denn eigentlich diese Fußgänger? Gemütliche Zeitgenossen oder Quälgeister? Die Radkolumne hat die Zweibeiner unter die Lupe genommen und eine kleine Typenlehre erstellt – von den gemäßigten Vertretern bis zu den militanten Fußgängern.

Typ 1: Harmloser Fußgänger

Laufweitebis 2 Kilometer
Verhältnis zu Radlernneutral
Verhältnis zu Autofahrernneutral

Der harmlose Fußgänger ist ideologisch unverdächtig. Er will von A nach B. Wenn er auf dem Radweg läuft, dann aus Unachtsamkeit. Ein sanftes Klingeln bringt ihn wieder auf den rechten Pfad.

Typ 2: Scheinfußgänger – Kategorie A

Laufweite bis 200 Meter
Verhältnis zu Radlernaggressiv
Verhältnis zu Autofahrernrücksichtsvoll

Der Scheinfußgänger und die Scheinfußgängerin der Kategorie A (Auto) sind nur im engen Umkreis zum Gefährt unterwegs – in der Fußgängerzone zwischen Laden und Parkplatz. In der geballten Faust wird der Autoschlüssel umklammert. Wenn dieses Exemplar mehr als 200 Meter laufen muss, gerät es in Atemnot und steigert die Aggressivität. Es explodiert, wenn ein Radfahrer in der Fußgängerzone auftaucht- auch wenn dies offiziell erlaubt ist.

Typ 3: Scheinfußgänger – Kategorie F

Laufweite bis 200 Meter
Verhältnis zu Radlern rücksichtsvoll
Verhältnis zu Autofahrern aggressiv

Der Scheinfußgänger der Kategorie F (Fahrradfahrer) ist nur dann zu Fuß unterwegs, wenn sein Drahtesel einen Platten hatt. Er weiß, wie Radfahrer ticken. Begegnet er einem Gehwegradler, so tritt er vorbeugend auf die Straße. Dieses unterwürfige Verhalten ruft seinen ärgsten Widersacher auf den Plan: den militanten Fußgänger.

Typ 4: Militanter Fußgänger

Laufweite bis 200 Kilometer
Verhältnis zu Radlern aggressiv
Verhältnis zu Autofahrernaggressiv

Der militante Fußgänger ist im Verein Fuss e.V. organisiert. Gehwegradlern möchte er am liebsten einen Stock zwischen die Speichen rammen. Auf illegal parkende Autos klebt er Zettel. Roller wirft er in den nächsten Fluss. Die Parole des militanten Fußgängers: „Ich weiche nicht ein Jota zurück“.

Typ 5: Kontrollgänger

Der Kontrollgänger mag keine Graffitis.
Laufweite Der eigene Block
Verhältnis zu Radlern aggressiv
Verhältnis zu Autofahrern aggressiv

Der Kontrollgänger ist radikal wie der militante Fußgänger, widmet sich aber einem größeren Spektrum an Aufgaben … „weil es ja sonst keiner macht“. Bewaffnet ist er mit Handykamera und Dezibel-Messgerät. Der Kontrollgänger leitet die Facebook-Gruppe „unser Kiez soll schöner werden“. Dort präsentiert er alles, was er auf seinen Patrouillen findet – das Graffiti an der Hauswand, das Kondom im Gebüsch und die Kartoffel im Altpapier.

Typ 6: Flaneur

Laufweite Bis 1 Kilometer
Verhältnis zu Radlern rücksichtsvoll
Verhältnis zu Radlern rücksichtsvoll

Das Gegenstück zum Kontrollgänger ist der Flaneur. Er ist mal Fußgänger, mal Radfahrer und mal Autofahrer. Sein Ziel ist der Marktplatz oder das Café. Was er dort unter die Lupe nimmt: Die Speisekarte.

4 Gedanken zu „Fußgänger-Typologie

  1. Leider nimmt aggressives Verhalten gegenüber Radfahrern bei allen Arten von Fußgängern immer mehr zu. Warum muss ich mich bei einem rücksichtsvollen, langsamen, ruhigen Vorbeinavigieren anschreien lassen? Es passiert immer öfter, einen Typus kann ich nicht erkennen…

    1. Die Raser und SUVs drängen die Radler auf die Gehwege, und da werden dann die Konflikte zwischen Fußgängern und Radlern ausgetragen. Wir brauchen endlich breite und getrennte Fuß- und Radwege… aber dazu müsste man halt dem Auto Platz wegnehmen.

  2. Wunderbare Kolumne, die vor allem eines exemplarisch zeigt, nämlich wie Fahrradaktivisten heutzutage ticken.
    Erstmal: ich bin selbst leidenschaftlicher Radfahrer, seit 25 Jahren Mitglied im ADFC und auch zur Arbeit in Berlin gerne mit dem Rad unterwegs.
    Was mir aber zunehmend auf- und missfällt, ist die grenzenlose Überheblichkeit der Radaktivisten. Da werden wie hier Fußgänger mal eben schnell zu „Zweibeinern“, ganz so als hätten Radfahrer nicht zwei Beine, sondern wären göttliche Wesen, die über allen Verkehrsteilnehmern gleichsam schweben, als höhere Wesen.
    Verkehrsrecht gilt für solche Wesen natürlich nicht! Wenn die Straßen von Autos genutzt werden, oh je, sogar noch von den allseits verhassten SUVs, dann gilt natürlich nur eines: das Recht des Radfahrers auch den Gehweg für sich zu beanspruchen und die dortigen Verkehrsteilnehmer, natürlich Fußgänger, als „Zweibeiner“ lächerlich zu machen. Das alles mit dem gönnerhaften Gestus: „Wir tun Euch schon nichts, Ihr solltet halt einfach nur unterwürfig zur Seite treten, wenn wir kommen“.
    Ich finde das ehrlich gesagt einfach nur arrogant und abstoßend. Mein Leben und meine Einstellung sieht grundsätzlich anders aus, nämlich niemandem vorzuschreiben, wie er sich fortbewegen soll, egal ob Rad, Auto, Rollstuhl oder zu Fuß.
    Wir alle sollten uns an Regeln halten, deren oberste Regel immer nur sein kann, dass wir gegenseitige Rücksicht nehmen. Das ist auch Paragraph 1 der StVO. Regeln gelten eben für alle. Das ist der Grundsatz von Regeln. Aber die treten die Fahrradaktivisten offenbar gerne mit ihren Füßen. Die STVO gilt für alle, nur nicht für die mit den zwei Pedalen unter den Füßen. Da werden Fußgänger als Zweibeiner in Kategorien lächerlich gemacht, wie auch alle anderen Verkehrsteilnehmer angefeindet. Der einzige Mensch der seine Berechtigung für sich selbst begründet , ist der mit den Pedalen unter den Füßen.
    Diese Einstellung finde ich verabscheuungswürdig!
    Radfahrer auf Gehwegen sind ein Ärgernis und sie sind tatsächlich gefährlich! Das mögt ihr Radaktivisten vielleicht anders sehen. Aber es gibt auch andere Menschen um Euch herum! Das lassen scheinbar zwei Pedale unter den Füßen schnell mal vergessen zu machen! Regeln und Rücksicht gelten für Euch Pedalritter wohl nicht. Macht Euch aber zunehmend unsympathisch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas

    1. Hallo Andreas,
      erst mal vielen Dank für deinen alles in allem konstruktiven Beitrag. Klar, wir Radaktivisten müssen uns auch an die eigene Nase fassen und Idioten gibt es bei allen Verkehrsmitteln.
      Und auch die Verdrängungskette (Auto nervt Radler, Radler nervt Fußgänger) kanns ja nicht sein.
      Wo ich widerspreche: Autos gehören einfach nicht ein eine Stadt. Sie richten zu viel Leid an, sie brauchen zu viel Platz, sie bedrohen alles, was ihnen in die Quere kommt. Sie verletzen und töten.
      Niemand muss zum Bäcker mit dem Auto fahren, und der Poserverkehr nervt nur noch. SUVs und Pickups und andere Kleinpanzer gehören in die Tundra.. Tempo 50 ist eine Barbarei, Tempo 30 vernünftig. Vielleicht sind wir uns da wenigstens einig?
      Grüße,
      Bernd Schmitt

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