Heute wird es sportlich auf der Radkolumne und natürlich geht es um den Radsport. Genauer: Radrennsport. Noch genauer: Straßenrennen. Zu den Höhepunkten jeder Rennsaison zählen die „Fünf Monumente des Radsports“:
- 1. Monument: Mailand-Sanremo (Italien)
- 2. Monument: Flandern-Rundfahrt (Belgien)
- 3. Monument: Paris-Roubaix (Frankreich)
- 4. Monument: Lüttich-Bastogne-Lüttich (Belgien)
- 5. Monument: Lombardei-Rundfahrt (Italien)
PS: In diesem Beitrag findest du auch Links zu den Anmeldungen für die Jedermann- und Jedefrau-Rennen.
Die großen Eintagesrennen
Besonderes Kennzeichen der Fünf Monumente: Alle Rennen sind keine Etappenrennen wie die Tour de France, der Giro d’Italia oder die Deutschland-Tour, sondern Eintagesfahrten. Wer sich selbst einmal versuchen möchte: Vor oder nach den Fahrten der Profis finden sogenannte Jedermannrennen statt. Und Jedefraurennen. Bist du schneller als der Besenwagen? Dann registriere dich rechtzeitig und fahr doch einfach mit! Aber jetzt folgt erstmal eine Übersicht der fünf Eintagesrennen in chronologischer Reihenfolge.
Mailand-Sanremo (1. Monument)

Das Rennen von Mailand in die Küstenstadt Sanremo ist das längste Eintagesrennen im Radrennsport. Knapp 300 Kilometer müssen hier absolviert werden. Weil dieser Klassiker den Saisonauftakt bildet und im Frühjahr stattfindet, wird er auch als „La Primavera“ (Der Frühling) bezeichnet. Die Strecke führt von, Mailand der Hauptstadt der Lombardei über den Pass von Turchino (532 m Höhe) in Ligurien bis zum Mittelmeer.
Legendär war das Duell der beiden Italiener Fausto Coppi und Gino Bartali von 1946. Fausto fuhr fast die halbe Strecke als Ausreißer ganz vorne und gewann mit 14 Minuten Vorsprung vor seinen direkten Verfolgern und mit 24 Minuten vor Bartali. Insgsamt hat Bartali allerdings vier Siege eingefahren, Fausto war dreimal der Beste.
In der Gesamtbilanz liegt Eddie Merckx mit sieben Siegen immer noch vorne. Erik Zabel gewann vier Mal, Rudi Altig, Gerald Ciolek und John Degenkolb jeweils ein Mal. Für den starken Sprinter Gerald Ciolek blieb es der einzige Monumente-Sieg (2013) seiner Laufbahn. John Degenkolb gewann hier 2015 sein erstes Monument. Das zweite holte er ebenfalls 2015, und zwar beim Rennen Paris-Roubaix.
Mailand – Sanremo – die Sieger
- Prominente Sieger: Fausto Coppi (Italien), und Gino Bartali (Italien)
- Deutsche Sieger: Rudi Altig, Erik Zabel, Gerald Ciolek und John Degenkolb
- Sieger 2022: Matej Mohoric (Slowenien)
- Sieger 2023: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2024: Jasper Philipsen (Belgien)
- Sieger 2025: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2026: Tadej Pogačar (Slowenien)
Mailand – Sanremo – die Siegerinnen
- Frauenrennen 2023: Geplant, nicht realisiert.
- Frauenrennen 2024: Nicht geplant.
- Frauenrennen 2025: Lorena Wiebes (Niederlande)
- Frauenrennen 2026: Lotte Kopecky (Belgien)
Mailand-Sanremo für alle: Das Amateurrennen
Seit 1970 finden die Jedermann-Rennen Mailand-Sanremo statt. Im Gegensatz zu den anderen vier Monumenten liegt der Termin nicht zeitnah zu den Profirennen, sondern erst einige Wochen später. Du möchtest die Strecke selbst fahren? Hier geht es zur Anmeldung: Amateurrennen Mailand-Sanremo.
Flandern-Rundfahrt (2. Monument)

Die Region Flandern liegt im Norden von Belgien. Die Flandern-Rundfahrt (Ronde van Vlaanderen) startete erstmals 1913. 1914 wurde sie erneut ausgetragen, 1915 bis 1918 pausierte sie wegen des Ersten Weltkriegs. Die Strecke hat es aus fünf Gründen in sich: Das Kopfsteinpflaster, das Regenwetter, der Wind, die schmalen Wege und die steilen Anstiege. Beim Publikum beliebt ist die Muur von Geraardsbergen, auf Deutsch die Mauer von Geraadsbergen. Jeweils drei Siege haben Fiorenzo Magni (Italien), Eric Leman (Belgien), Tom Boonen (Belgien) und Fabian Cancellara (Schweiz). Rudi Altig gewann das Rennen 1964, der Deutsch-Schweizer Steffen Wesemann war 2004 der Schnellste.
Seit 2014 findet die Flandern-Rundfahrt der Frauen statt.
Flandern-Rundfahrt – die Sieger
- Prominente Sieger: Fiorenzo Magni (Italien), Eric Leman (Belgien), Tom Boonen (Belgien) und Fabian Cancellara (Schweiz)
- Deutsche Sieger: Rudi Altig (1964).
- Sieger 2022: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2023: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2024: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2025: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2026: Tadej Pogačar (Slowenien)
Flandern-Rundfahrt – die Siegerinnen
- Frauenrennen 2022: Lotte Kopecky (Belgien)
- Frauenrennen 2023: Lotte Kopecky (Belgien)
- Frauenrennen 2024: Elisa Longo Borghini (Italien)
- Frauenrennen 2025: Lotte Kopecky (Belgien)
- Frauenrennen 2026: Demi Vollering (Niederlande)
Flandern-Rundfahrt für alle: We Ride Flanders
Das Jedermannrennen „We Ride Flanders“ findet einen Tag vor den Profis statt. Verschiedene Distanzen stehen dabei zur Auswahl: 75 Kilometer, 140 Kilometer, 177 Kilometer und 235 Kilometer. Hier geht es zur Anmeldung: We Ride Flanders.
Lüttich-Bastogne-Lüttich (3. Monument)

Lüttich, auf Belgisch Liege, liegt an der Maas im französischsprachigen Teil von Belgien, also in Wallonien. Das Rennen hat eine lange Tradition, denn ausgetragen wird es schon seit 1892. Ins Leben gerufen wurde es von der belgischen Zeitung „L´Expresse“. Die Fahrer starteten damals noch im Kurort Spa, etwas südlich der Stadt Lüttich, und fuhren auch dort ins Ziel. Weil mit Lüttich-Bastogne-Lüttich (französisch Liège–Bastogne–Liège) der professionelle Radsport erst begonnen hat, wird das Rennen auch als „La Doyenne“ (das Älteste) bezeichnet.
Lüttich-Bastogne-Lüttich – die Sieger
- Prominente Sieger: Eddie Merckx (Belgien), Jacques Anquetil (Frankreich), Bernard Hinault (Frankreich).
- Deutsche Sieger: 1930 Hermann Buse und 1979 Dietrich Thurau.
- Sieger 2022: Remco Evenepoel (Belgien)
- Sieger 2023: Remco Evenepoel (Belgien)
- Sieger 2024: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2025: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2026: Tadej Pogačar (Slowenien)
Lüttich-Bastogne-Lüttich – die Siegerinnen
- Liège–Bastogne–Liège Femmes 2022: Annemiek van Vleuten (Niederlande)
- Liège–Bastogne–Liège Femmes 2023: Demi Vollering (Niederlande)
- Liège–Bastogne–Liège Femmes 2024: Grace Brown (Australien)
- Liège–Bastogne–Liège Femmes 2025: Kimberley Le Court de Billot (Mauritius)
- Liège–Bastogne–Liège Femmes 2026: Demi Vollering (Niederlande)
Lüttch-Bastogne-Lüttich für alle
Wer die Strecke mal selbst ausprobieren will: Vierundzwanzig Stunden vor dem Rennen der Profis findet ein Jedermann-Rennen statt. Du möchstest mitfahren? Das lässt sich arrangieren! Hier geht es zur Anmeldung: Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Paris-Roubaix (4. Monument)

Auch Paris-Roubaix hat eine sehr lange Tradition, denn schon 1896 fand mit 48 Teilnehmern das erste Rennen statt. Termin ist zumeist Mitte April. Gestartet wird heute allerdings nicht mehr in der französischen Hauptstadt, sondern (seit 1977) knapp 80 Kilometer weiter nördlich, vor dem Château de Compiègne, dem geschichtsträchtigen Schloss Compiègne. Die anspruchsvolle Strecke trägt auch den Beinamen „Hölle des Nordens“. Die Bezeichnung passt zwar auch zum Kopfsteinpflaster-Kurs, hat aber einen historischen Hintergund: Die Verwüstungen, die der Erste Weltkrieg in der Region anrichtete, gaben dem Rennen den Beinamen.
Besonders berüchtigt ist der 2400 Meter lange Trouée d’Arenberg (Schneise von Arenberg), ein schmaler und mit Kopfsteinpflaster gespickter Waldweg.
Erster Sieger war 1896 der Deutsche Josef Fischer, erst 2015 stand wieder ein Deutscher auf dem Treppchen. Nach Mailand-Sanremo holte John Degenkolb hier sein zweites Monument.
Die Siegerinnen und Sieger erhalten auf dem Treppchen im Velodrom von Roubaix einen Pokal in Form eines Pflastersteins. Das erste Velodrom hatten die Begründer des Rennens, Theo Vienne und Maurice Pérez, in Roubaix errichten lassen. Das heutige Velodrom ist ein Nachbau. 2021 fand zum ersten Mal das Frauenrennen Paris-Roubaix statt. Siegerin war die Britin Lizzie Deignanm 2026 erhielt Franziska Koch die begehrte Pflasterstein-Trophäe.
Paris-Roubaix – die Sieger
- Prominente Sieger: Roger De Vlaeminck, vier Siege (Belgien). Tom Boonen, vier Siege (Belgien)
- Deutsche Sieger: 1896 Josef Fischer (beim ersten Rennen). 2015 John Degenkolb.
- Sieger 2022: Dylan van Baarle (Niederlande)
- Sieger 2023: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2024: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2025: Mathieu van der Poel (Niederlande)
- Sieger 2026: Wout van Aert (Belgien)
Paris-Roubaix – die Siegerinnen
- Paris-Roubaix Femmes 2021: Lizzie Deignan (Großbritannien)
- Paris-Roubaix Femmes 2022: Elisa Longo Borghini (Italien)
- Paris-Roubaix Femmes 2023: Alison Jackson (Kanada)
- Paris-Roubaix Femmes 2024: Lotte Kopecky (Belgien)
- Paris-Roubaix Femmes 2025: Pauline Ferrand-Prévot (Frankreich)
- Paris-Roubaix Femmes 2026: Franziska Koch (Deutschland)
Paris-Roubaix für alle: Die Paris-Roubaix-Challenge
Paris–Roubaix Challenge nennen sich die Rennen für alle. Gefahren werden eine Herren- und eine Damenstrecke. Hier geht es zur Anmeldung: Paris-Roubaix-Challenge. Ein kleiner Tipp dazu: Die Hände immer locker am Lenker halten, sonst gibt es Blasen.
Lombardei-Rundfahrt (5. Monument)

Die Lombardei ist eine bergige Region in Norditalien mit der Hauptstadt Mailand. Die 250 Kilometer lange Rundfahrt wird immer im OKtober ausgetragen. Das „Rennen der fallenden Blätter“ bildet den Abschluss der Saison. Als Vater der Lombardei-Rundfahrt („Il Lombaria“) gilt der Italiener Giovanni Gerbi. Der Rennsport-Pionier gewann auch gleich die erste Fahrt im Jahr 1905. Seit 1907 wird die Lombardei von der Tageszeitung La Gazzetta dello Sport organisiert.
Absteigen und schieben
Die Lombardei-Rundfahrt ist ein Rennen für Bergspezialisten, doch auch von diesen scheitern nicht wenige scheitern am Colma die Sormano (1124 m). Bis zur 24 Prozent beträft die Steigung der Passstraße zum Dorfes Sormano. Das Schiebestück liegt auf der Halbinsel zwischen den beiden südlichen Armen des Comer Sees.
Die Madonna del Ghisallo
Berühmt ist die Lombardei-Rundfahrt vor allem durch den Anstieg zur Madonna del Ghisallo, der Schutzheiligen aller Radfahrerinnen und Radfahrer. Die Madonna befindet sich in einer 1949 geweihten Wallfahrtskirche, die seit 2006 eine Museum des Radrennsports beherbergt. In diesem Museum befinden sich unter anderem die Bronzebüsten von Gino Bartali und Fausto Coppi, legendäre Rennräder und Trikots aus den verschiedenen Epochen.
Sieger der Lombardei-Rundfahrt
Ein Deutscher konnten die Lombardei-Rundfahrt bisher noch nicht für sich entscheiden. Mit fünf Siegen zwischen 1946 und 1954 führt der berühmte italienische Radrennfahrer Fausto Coppi lange die Bestenliste der Lombardia an. Eingestellt wurde der Rekord von Tadej Pogačar, der von 2021 bis 2025 fünf Siege in Serie einführ.
Lombardei-Rundfahrt – Sieger
- Prominente Sieger: Fausto Coppi, Tadej Pogačar
- Deutsche Sieger: keine
- Sieger 2021: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2022: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2023: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2024: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2025: Tadej Pogačar (Slowenien)
- Sieger 2026: Termin ist am 10. Oktober
Paris-Roubaix – die Siegerinnen?
Il Lombardia ist das einzige der fünf großen Radsport-Monumente, das noch keinen Wettbewerb für die Frauen austrägt. Eine Premiere ist aber für 2027 geplant.
Lombardei-Rundfahrt für alle
Für Hobby-Rennfahrerinnen und Rennfahrer: Eine Jederman-Lombardei-Rundfahrt findet in der Regel einen Tag nach dem Profirennen statt. Mit dabei: Jersey, Pasta-Party und Souvenir-Photo. Hier geht es zur Anmeldung: Lombardei-Rundfahrt für alle.
Rekordsieger der fünf Monumente
Rekordsieger ist Eddy Merckx mit 19 Siegen. Neben Roger De Vlaeminck (11x) und Rik van Loy (8x) ist er einer von nur drei Radsportlern, die jedes der fünf Monumente des Radsports mindestens einmal gewinnen konnten. Alle drei sind Belgier.
Deutsche Eintagesfahrten
In Frankfurt, Hamburg und Köln finden die großen drei deutschen Eintagesfahrten statt. Sie sind nicht so bedeutsam wie die Fünf Monumente, haben aber alle ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Charakter. Und alle drei bieten Jedermann-Rennen an.
Eschborn-Frankfurt
Eschborn–Frankfurt ist der Nachfolger des 1962 erstmals unter dem Namen Rund um den Henninger-Turm ausgetragenen Straßenrennens. Der Kurs hat es in sich, denn das Profi-Rennen wies 2026 hat eine Länge von rund 210 bis 211 Kilometern und über 3.300 Höhenmeter auf.
Eschborn-Frankfurt für alle
Die Hessen streben zielen auf eine sportliche Aufwertung des Rennens ab, aber auch der Breitensport wird gefördert. Die Anmeldegebühren für die verschiedenen Jedermann-Rennen liegen bei 45 bis 80 Euro. Achtung: Eine Voranmeldung ist Pflicht, spontane Starts sind nicht mehr zugelassen. Tipp: Wer sich rechtzeitig anmeldet, zahlt weniger als kurz vor dem Rennen.
Cyclassics in Hamburg
So ganz klassisch sind die Hamburger Cyclassics nicht, denn die Rennen werden erst seit 1996 ausgetragen. Betreiber ist heute die Ironman Germany GmbH. Die Strecke ist immer etwas unterschiedlich, konstant ist aber die Länge von etwa 250 Kilometer und der Zieleinlauf in der Hamburger Innenstadt.
Cyclassics für alle
Im Umfeld des UCI-Rennens finden eine Reihe von Jedermannrennen statt. Die Distanzen betragen dabei 55 Kilometer, 100 Kilometer und 155 Kilometer. Achtung: Die Startplätze sind zumeist sehr schnell ausgebucht, Interessierte melden sich am besten schon in den ersten Stunden nach Freischaltung an.
Zur Beliebheit des Jedermann-Rennens tragen bei: Bonanzaräder, Tandems und die legendären Pasta-Parties.
Rund um Köln
Das Rennen Rund um Köln ist ein echter Klassiker, denn gefahren wird hier schon seit 1908. Es ist das älteste noch existierende Straßenrennen Deutschlands. Eine besondere Herausforderung sind die Anstiege im Bergischen Land. Startpunkt ist der Rheinauhafen in Köln, Publikumsmagnet der 200-Kilometer-Strecke die Kopfsteinpflaster-Passage zum Schloss Bensberg. Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert als Jagdschloss errichtet und dient heute als Hotel.
Rund um Köln für alle
Neben dem Profirennen finden Jedermann-Rennen über 70 und 125 Kilometer statt.
Nachruf: Rund um Berlin
Das Rennen Rund um Berlin ist eigenlich der älteste deutsche Klassiker. Das Eintagesrennen wurde erstmals 1896 ausgetragen. Leider wurde die Tradition im Jahr 2000 mit dem letzten Rennen beendet. Schade, aber vielleicht findet ja eines Tages eine Wiederbelebung statt. Schön wärs!
Die Deutschland-Tour
Der Vollständigkeit halber sei noch auf das wichtigste deutsche Etappenrennen hingewiesen, die Deutschland-Tour.
