Entschleunigt euch!

Fähre mit Fahrrad
Entschleunigt euch!

Entschleunigt euch! Heute geht es bei der Radkolumne mal ungewöhnlich gemütlich zu. Zwei Leser haben sich in entschleunigte Gebiete begeben und schöne Bilder geschickt. Los geht die Fotostrecke mit einer Fähre. Denn Fähren entschleunigen einfach alles!

Fähren entschleunigen alles

Fähren beschleunigen die Entschleunigung so rasant und effektiv wie kein anderes Mittel, und die Mainfähre Obereisenheim ist da absolut vorbildlich. Das geht schon mal los mit den Fährzeiten. Von Mitte November bis Ende Februar ist nämlich Pause. Und an Werktagen zwischen 13 und 16 Uhr ist auch Pause. Da fährt nix „rüber und nüber“, wie die Eingeborenen sagen. Nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind. Nicht Auto, nicht Motorrad, nicht Fahrrad. Diese Entschleunigung ist ebenso zuverlässig wie demokratisch, sie beglückt einfach alle.

Türme & Wind entschleunigen

Türme und Wind sind ebenfalls grandiose Entschleuniger. So ein massiver fränkischer Torturm bewacht den Ort und schützt ihn vor allerlei Gefahren. Da rauscht keiner so einfach durch, da haben alle Fahrerinnen und Fahrer Respekt, und sei es auch nur aus Angst vor Schrammen am Blech. Der Wind hingegen entschleunigt ganz speziell den Radverkehr. Pedalritter wissen: Der Wind kommt immer von vorne. Wer es nicht glaubt, schwingt sich in den Fahrradsattel und probiert es einfach mal aus.

Wege entschleunigen

Auf Wegen geht es geruhsamer zu als auf Straßen. Hier im fränkischen Hinterland, weitab von den Zentren der Zivilisation, verdienen die Feldwege noch ihren Namen. Dass da ordentlich entschleunigt wird, liegt aber nicht nur am Bodenbelag. Wer hier zu schnell fährt, verpasst die Landschaft und die Atmosphäre. Ohne Entschleunigung gibt es von Mutter Natur keinen Soundtrack!

Schildkröten können mehr von der Straße erzählen als Hasen

Khalil Gibran

Äcker & Kirchen entschleunigen

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht … und der leckere Spargel auch nicht, der da unter der Plane wächst. Diese Geruhsamkeit des Ackers überträgt sich auch gleich auf die Geschwindigkeit der Radler. Merke: Am Acker langsam vorbei zu fahren ist besser als darin zu landen. Diese Weisheit gilt ganz besonders zur Erntezeit. Dann verwandeln sich die Wege und Straßen durch das „Bauernglatteis“ in Rutschbahnen.

Damit wären wir auch schon am Ende dieses Radkolumne-Artikels – und bei der letzten Instanz der Entschleunigung: den Kirchen. Im Bild zu sehen ist die sagenumwobene Wallfahrtskirche Fährbrück. Als Jugendlicher waren Kirchen ja fürchterlich langweilig und jeder wollte schleunigst wieder raus. Im gesetzten Alter ändert sich das dann.

Das Wunder der Entschleunigung

Frohlocken kommt vor allem darüber auf, wie die Kirchen heute dem Stress-Dämon den Garaus machen: alle, ob gläubig oder nicht, müssen im Gotteshaus den Handybimmelton ausmachen. Läuten dürfen hier nur die großen Glocken. In dieser himmlischen Ruhe schweift dann der Blick auf die prächtigen Kunstwerke … welche Heilige ist das? … wer hat das alles gemalt und geschnitzt? Die Gedanken und die Zeit verfliegen dabei. Falls Sie nicht an Wunder glauben: Das ist ein Fehler! Radeln Sie nach Fährbrück oder zur Wallfahrtskirche Ihrer Wahl. Das Wunder der Entschleunigung findet statt und Sie können es selbst erleben und bezeugen!

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2 Gedanken zu „Entschleunigt euch!

  1. Moin Bernd, Master of the one and only Radkolumne!
    Dein Entschleunigungsartikel spricht mir (mal wieder) aus der Seele! Hast du gut on den Beispielen auf den Punkt gebracht!
    Erinnert mich an eine Radreise, die ich 1991 mit meiner Frau machte, einfach , weil wir das wollten. Drei Monate und 3000km waren die coolste Zeit, die wir da auf den Straßen und Wegen Nordeuropas gemeinsam verlebt haben, nicht zu vergessen, die Menschen, die wir bei dieser gelassenen Art des Reisens kennengelernt haben…Entschleunigung halt!
    btw: ein eigenes Auto ist seit dieser Tour Geschichte;-)vll. ist das (mit Zelt) sogar coronakompatibel…
    Probiert es mit kleinen, ebenen Touren anfangs (auch zu Fuß)mal aus! Gruß Bernd

    1. Ich überleg grad, was ich in den 90er an Reisen gemacht habe.. mit Interrail, Rad, etc… 3000 km per Pedale waren es bei mir nicht, eher mit der Bahn in Irland zu einem Hostel und dann mit dem Rad übers Land 🙂 schöne Zeit damals..
      um beim Thema Entspannung zu bleiben: hab grad ein Interview zum Thema Fahrrad in der Kurstadt gegeben.. verlink ich auf der Radkolumne, wenn der Podcast geschnitten ist..

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