Peak Oil

Peak Oil
Peak Oil: Das Öl wird knapp.

In diesem Beitrag geht es ums Ganze! Um die weltweiten Erdöl-Reserven und die Frage, wann sie erschöpft sind. Eine wichtige Marke ist dabei der Peak Oil, der Zeitpunkt, an dem die Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht. Die Sache ist ganz einfach: Vor dem Peak Oil wird immer mehr Öl gefördert, danach geht es stetig bergab.

Wann kommt der Peak Oil?

Wann kommt Peak Oil? Und kommt Peak Oil überhaupt? Gegner der Peak-Oil-Theorie verweisen gerne auf die Weltuntergänge der Zeugen Jehovas. Die Religionsgemeinschaft hat den Weltuntergang mehrmals vorhergesagt, doch ein Erfolg der Prophezeiung ist niemals eingetreten. Mit Prognosen ist das halt so eine Sache. Viele sind falsch, und auch die Peak-Oil-Prognosen lagen von Anfang an daneben.

Falsche Peak-Oil-Prognosen

Wir schreiben das Jahr 1956. Der US-Geologe Marion King Hubbert prognostiziert den Peak Oil für die Förderung in den USA für den Zeitraum zwischen 1966 und 1972. Er sollte sich täuschen, denn 1970 lag die US-Produktion bei 11,3 Millionen Barrel am Tag, 2014 aber, dank der neuen Technologie des Frackings, bei 11,6 Millionen Barrel. Quelle: bpb.

Wir schreiben das Jahr 1972. Zu den wichtigsten Peak-Oil-Prognosen zählt die vom Club of Rome herausgegebene Studie „The Limits to growth“, in Deutschland als „Die Grenzen des Wachtums“ bekannt. Als Buch wurde die Studie über 30 Millionen mal verkauft. Eine Menge Bäume mussten also dafür sterben. Bewahrheitet haben sich die darin enthaltenen Prophezeiungen über die Verknappung der Öl-Ressourcen nicht. Zum Vergleich: Die globale Ölförderung betrug 1972 noch 53,6 Mio. Barrel pro Tag, 2019 waren es 95,2 Mio. Barrel. Quelle: Statista. Später hat der Club of Rome dann noch einmal nachgelegt, nämlich zum 30. und 40. Jubiläum der Veröffentlichung der „Grenzen des Wachstums“. Aber auch die aktualisierten Szenarien sind noch nicht eingetreten. Es gibt bis heute keine dramatische Unterversorgung mit Erdöl.

Richtige Peak-Oil-Prognosen

Nun könnte man ja angesichts dieser Irrtümer meinen, dass die gesamte Peak-Oil-Debatte völlig überflüssig ist. Doch getäuscht hat sich der Club of Rome nur über den Zeitpunkt. Die Vorräte die noch in der Erde schlummern, sind nunmal begrenzt. Es ist ja nicht so, dass sich die leergepumpten Ölfelder auf natürliche Weise nach einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder füllen.

Öl wächst nicht nach

Niemand bestreitet die Tatsache, dass aktuell mehr Öl aus der Erde entnommen wird, als „nachwächst“, falls dieses den Nachwachsen überhaupt stattfindet. Der Zuwachs bei der Förderung ist lediglich neuen Methoden (Fracking) und dem Bohren in immer entlegeneren Gebieten der Erde zu verdanken. Beides umstritten. Beim Fracking, zu deutsch dem Aufbrechen, wird unter Hochdruck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien (Biozide) in das Gestein gepresst, das das Öl (oder Gas) umschließt. Beim Bohren in immer entlegeneren Gebieten besteht die Gefahr, auch noch die letzten Paradiese des Planeten zu zerstören – die Artis und die Antarktis. Am Rande der Arktis wurden schon Förderplattformen errichtet (und 2015 wieder demontiert), zuletzt vom niederländisch-britischen Shell-Konzern.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch die Antarktis die Begehrlichkeiten der Bohrfirmen weckt. Noch schützt zwar der Antarktisvertrag vor der wirtschaftlichen Ausbeutung, doch Abkommen zwischen Staaten können auch gekündigt werden. Wer weiß schon, welche Pläne in den untersten Schubladen der immerhin 85 Forschungsstationen bereit liegen, die derzeit auf der Antarktis in Betrieb sind, die Häfte davon ganzjährig besetzt. Kaum vorzustellen, dass es dabei nicht auch um Öl geht. Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung der Konzerne sind nämlich die hohen Kosten der Ölförderung im Eis. Steigen aber die Preise am Weltmarkt für Öl, so fällt dieses Förderhemmnis weg und die Ausbeutung des schwarzen Goldes auf dem weißen Kontinent könnte beginnen – mit all den negativen Folgen für das empfindliche Ökosystem.

Das Öl wird knapp

Dass das Öl knapp wird, zeigt sich sehr deutlich im Rückblick auf das Jahr 2020, und zwar auf den Verkehrssektor. Durch die Corona-Pandemie hat sich nicht nur der Flugverkehr mehr als halbiert, auch die Zahl der Autofahrten ging erheblich zurück. Eigentlich hätte sich dieser Nachfrage-Rückgang den Ölpreis nach unten drücken müssen. Doch die Börse spricht eine deutlich andere Sprache.

Börse: Steigende Ölpreise

Der Preis für ein Fass Rohöl der Marke Brent wurde am 28. Februar 2020, also kurz vor der weltweiten Coronakrise, mit 50,06 $ gehandelt. Am letzten Handelstag lag Brent-Kurs über 51 $, und das obwohl ein Ende der Lockdowns noch gar nicht abzusehen war. Auch 2021 werden weniger Menschen fliegen und Autos betanken, auch 2021 wird weniger Öl nachgefragt. Wenn der Preis trotzdem steigt, liegt das an Nachschub-Problemen. Fakt ist: Das Öl wird knapp.

Peak Oil war 2020

Peak Oil 2020
Peak Oil war 2020. Es hat nur keiner gemerkt.

2022: Benzinpreis-Schock

Peak Oil war 2020, es hat nur wegen Corona niemand gemerkt. Was in den turbulenten 20er-Jahren dieses Jahrhunderts allerdings noch mit Sicherheit Aufsehen erregen wird, ist die Preissteigerung beim Benzin. Als die Grünen in den 80er-Jahren einmal die Forderung nach einem Benzinpreis von 5 DM pro Liter aufgestellt haben, hat man sie belächelt. Doch im Jahr 2022 wird der Liter Benzin nicht 5 DM, sondern 5 € an der Zapfsäule kosten. Und zwar als Schnäppchen. Einen kleinen Vorgeschmack auf die bevorstehende Benzinpreiswut hat es bereits in Frankreich gegeben, und zwar bei der sogenannten Gelbwesten-Bewegung (Mouvement des Gilets jaunes). Auslöser für diese diffuse soziale Protestbewegung, die in ihrer Hochphase zwischen Herbst 2018 und Frühjahr 2019 immerhin eine viertel Million Menschen auf die Straßen gebracht hat, war die von der Regierung angekündigte Erhöhung der Steuern auf Benzin und Diesel. Auf Druck der Gelbwesten wurde die Steuererhöhung von der Regierung Macron dann für eine Weile ausgesetzt.
Doch was wird passieren, wenn der Spielraum enger wird, weil die Importpreise für das Rohöl in die Höhe schnellen? Dann sind andere Maßnahmen des Staates gefragt, in Frankreich und Deutschland, in ganz Europa und mit Ausnahme der großen Förderstaaten auch in der übrigen Welt. Eine Renaissance wird mit Sicherheit, und nicht nur in Deutschland, der autofreie Sonntag erleben. Diese Maßnahme zum Einsparen von Energie stammt aus dem Jahr 1973. In diesem Jahr wurde auch das Wort Ölkrise auch erst erfunden.

2023: Autofreier Sonntag

Der Benzinpreisschock, und das ist erfreulich, beschleunigt die Verkehrswende der 20er-Jahre. Der autofreie Sonntag wird 2023 wieder eingeführt, nach 50 Jahren der Unterbrechung. Die Autos werden wieder kleiner und sie werden weniger. Von den Straßen verschwinden SUVs und Pickups, profitieren können die Hersteller von sparsamen, leichtgewichtigen Autos und von Fahrrädern und Lastenrädern. Und völlig neue Fahrzeugtypen werden die Straßen erobern: Mehrsitzige Velomobile und muskelbetriebene Hybridfahrzeuge, die sowohl auf der Straße wie auch auf eigens für sie eingerichteten Schienenwegen zu Hause sind.

Ölvorräte & Bevölkerungswachstum

Wer Peak Oil für Firlefanz hält, möge einmal einen Blick auf die Entwicklung der Weltbevölkerung werfen.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs teilten sich 2,5 Milliarden Menschen die Ressourcen auf diesem Planeten. Zu Beginn der 80er-Jahre waren es schon 4 Milliarden, aktuell nähern wir uns der Marke von 8 Milliarden. Damit steigt auch die Zahl der jenigen, die Ölprodukte nachfragen, und damit ist nicht nur Benzin und Heizöl gemeint.

Öl in Alltagsprodukten

Öl steckt auch in vielen Alltagsprodukten wie Kleidung, Reinigungsmitteln und Plastik. PET-Flaschen werden beispielsweise fast zu 100 Prozent aus Mineralöl hergestellt. Wo steckt noch Öl drin? Hier: Im Handy, mit dem du gerade die Radkolumne liest, im Fernseher, auf dem du die Berichte über die Umweltzerstörung anschaust, in deiner Zahnbürste und in deiner Matratze.

Öl in Schallplatten

Und auch in Vinyl, dem Grundstoff der Schallplatten, steckt Öl! Aber für dieses edle Produkt soll jetzt mal Schluss sein mit der Apokalypse der Radkolumne. Peak Oil hin oder her … ein klares Ja zur Vinylindustrie! Sie ist die einzige Industrie, in die das noch übrig gebliebene Erdöl mit gutem Gewissen hineingepumpt werden kann. Und sei es gerfrackt oder vom Nordpol oder vom Südpol. Was nützt eine intakte Umwelt, wenn ich nicht mehr Schallplatten hören kann. So, ihr Hardcore-Ökos, jetzt ihr wieder… 😉

Jetzt ist der Artikel ganz schön lange geworden, aber egal, das muss ich jetzt auch noch los werden: Dank Fracking haben sich die USA zum größten Ölproduzenten der Welt entwickelt. Und nach wie vor gehört der Bundestaat Texas zu den wichtigsten Ölstaaten innerhalb der USA. Was aber die wenigsten wissen: Nach China und vor Deutschland ist die USA der größte Windkraftproduzent der Welt. Betrachtet man dabei nur den Bundesstaat Texas (ohne die übrige USA !), so reibt man sich die Augen. Texas alleine ist weltweit bei der Produktion von Windkraft der fünftgrößte Produzent und liegt damit hinter Indien, aber noch vor Großbritannien und Frankreich. Und auch die Solarparks sprießen in der Ölregion Texas aus dem Boden. So dumm sind die Texanerinnen und Texaner also nicht, dass sie ihre Ölförderanlagen mit den zur Neige gehenden fossilen Energien betreiben würden. Die Ölbarone in und um Dallas wissen, dass sie eines Tages nicht mehr vom Schwarzen Gold profitieren und stellen sich rechtzeitig auf den Tag der leeren Öltanks ein. Sie verschleuderen nicht in einem Rausch, was ihnen Wohlstand sichert.
Es täte uns in Europa gut, uns endlich auch auf eine Zukunft der Energieknappheit einzustellen. Es ist nämlich so: bevor das Öl in Texas und anderswo ganz zur Neige geht, wird es nochmal richtig teuer – für die Ölimport-Staaten. Die Rechnung ist ganz einfach: Je größer der Öldurst, desto höher die Rechnung. Am teuersten ist dabei nicht mal der Preis in Dollar, sondern der politische Schaden. Den richtigen Ansatz haben hierbei die West- und Nordeuropäischen Staaten. In deren Hauptstädten, Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Oslo, Stockholm und Helsinki, sind Krawalle wegen steiegnder Benzin- und Dieselpreise äußerst unwahrscheinlich. Dort braucht nämlich niemand mehr ein Auto. Und auch Paris hat aus den Ereignissen von 2018 und 2019 gelernt. Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo baut die Stadt an der Seine nämlich gerade zur Fahrradstadt um.

Ein Gedanke zu „Peak Oil

  1. Hmm ja, der Ölpreis kann noch ein Gamechanger werden. Öl heute bei 53,53! ..in der Arktis werden gerade kurz vor dem Abgang von Trump noch mal Förderlizenzen versteigert. Mit Biden geht das dann ja nicht mehr so einfach.
    In der Antarktis wird es losgehen, wenn das Eis weiter schmilzt, weil Öl, Gas und Uran sind dann billiger zu haben. Ich sehe schon den Ausbau des McMurdo-South Pole Highways… die McMurdo ist eine Forschungsstation? Nein, Forschung und Logistik, laut Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/McMurdo-Station Logistik in der Antarktis, wozu? Für die Pinguine wir da nicht so viel Geld versenkt… Wenn das Barrel bei 200 Euro liegt, geht da die Förderung los..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.