Visionär Adam Opel

Ein Fahrrad von Opel.
Opel bürgt für höchste Qualität.

Ständig diese negativen Beiträge über SUVs und andere Straßenmonster … bei Autoherstellern genießt die Radkolumne, um es vorsichtig auszudrücken, kein hohes Ansehen. Um sich nicht dem Verdacht der Technikfeindlichkeit auszusetzen, widmet sich die Radkolumne deshalb einem Pionier des deutschen Fahrzeugbaus: Adam Opel.

Adam Opel & die Opelwerke

Adam Opel
Adam Opel

Adam Opel erblickt 1837 in Rüsselsheim das Licht der Welt, und zwar als ältester Sohn des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel. Beim Vater geht der Familienmensch dann auch gleich in die Lehre. Nach den Lehr- und Wanderjahren, Adam Opel bereiste Belgien, England und Frankreich, gründet er 1862 in Rüsselsheim eine Nähmaschinenfabrik. 1868 heiratet er die Gastwirtstochter Sophie Marie Scheller. Als er das Potenzial des Fahrrads erkannt hat, beginnt Adam Opel mit der eigenen Produktion. 1886 wird in Rüsselsheim das erste Hochrad fertig gestellt, doch schon bald setzt auch Opel auf die moderne Form des Fahrrads, das sogenannte Sicherheits-Niederrad. 1888 folgt die Einweihung einer Fabrikhalle, in der ausschließlich Fahrräder produziert werden.

Fahrradbauer Adam Opel

Opel-Quintuplet
Das Opel-Quintuplet. Ludwig Opel (ganz rechts) stirbt 1916 im 1. Weltkrieg.

Für die Reklame sorgen die fünf Opel-Söhne. Das Bild der Opel-Brüder auf ihrem Fünfsitzer, dem Quintuplet, geht um die Welt. Berühmt werden Fritz, Heinrich, Ludwig, Wilhelm und Carl aber auch durch ihre Erfolge im Radsport. Insgesamt gewinnen sie mehr als 560 Rennen. Quelle: opel.com
1895 stirbt der Firmengründer und die Witwe Sophie führt mit den fünf Söhnen das Unternehmen erfolgreich weiter. Bei Opel wird die Serienproduktion eingeführt. Die Firma entwickelt sich zum größten Fahrradhersteller Deutschlands und steigt in der Mitte der 20er-Jahre zum größten Fahrradhersteller der Welt auf.
Die Autoproduktion begann bei Opel erst 1898, also drei Jahre nach dem Tod von Adam Opel. Doch mit der Motorisierung des Massen verliert das Fahrrad an Bedeutung. Nach dem Bau von mehr als 2,6 Millionen Fahrrädern stellt Opel im Jahr 1937 die Produktion ein.

Wirtschaft heißt Wandel

Und die Moral der Opel-Geschichte? Die Produktpalette eines Unternehmens ist nicht in Stein gemeißelt. Ein gesunde Firma produziert, was gebraucht wird. Ob das Nähmaschinen, Fahrräder oder Automobile sind, entscheidet der Markt. Niemand braucht in Schnappatmung zu verfallen, wenn in Deutschland keine Autos mehr hergestellt werden. Wirtschaft heißt Wandel. Ein Wandel in der Fahrzeugindustrie bedeutet nicht Deindustriealisierung sondern Modernisierung. Wir werden die Zeit noch erleben, in der Opel wieder in den Schoß der Fahrradindustrie zurückkehrt. Zurück zu den glorreichen Anfängen, zurück zu Adam.

Adam Opel und das Auto

Der Nähmaschinen – und Fahrradfabrikant Adam Opel starb 1895, noch vor der Produktion des ersten Opel-Automobils. Noch überliefert ist, was er beim Anblick eines Automobils ausgerufen haben soll:

„Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen!“

Adam Opel (1837-1895) Quelle: Opel Jugend Kalender 1965, S. 31

Die Radkolumne meint: Halten wir das Vermächtnis von Adam Opel in Ehren! Und freuen wir uns auf die Zeit, in der wir wieder stolz sagen können: Ich fahre ein Opel. Ein Fahrrad natürlich.

Fun Fact: Bis 1989 existierte in Deutschland der Ausbildungsberuf des Nähmaschinen- und Zweirädermechanikers. Wer heute in das Fahrradhandwerk einsteigen möchte, absolviert eine 2-jährige Ausbildung zum Fahrradmonteur oder 3 1/2-jährige Ausbildung zum Zweiradmechatroniker.
Der Zweiradmechtroniker bietet zwei Fachrichtungen, nämlich Fahrradtechnik und Motorradtechnik. Beides ohne Nähmaschinenkunde. 😉

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2 Gedanken zu „Visionär Adam Opel

  1. Dein Artikel über Adam Opel ist ‚wieder mal‘ ein Sahnestückchen velophiler Berichterstattung! Es gibt im Ruhrgebiet sogar einen Fahrradladen, der die unmotorisierten zweirädrigen Produkte aus dem Hause Opel zum Motto der Dekoration erhoben hat; was sind da für schöne Pedalflitzer dabei!!!
    Daß Adam selbst die Autoproduktion nicht mehr erlebt hat, sie sogar negativ konnotiert war mir neu.
    gruß bernd

    1. Hallo Namensvetter, danke für das Feedback… bin eher zufällig auf die Opel-Story gestoßen, weil ich nach Fahrradbildern gegoogelt habe. 😉
      Grüße nach Kassel,
      Bernd Schmitt

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